Geht ihr euch nicht manchmal auf den Sack? Die 24/7 Freundschaft und wie sie ewig hält.

Du bist mein Nemo.
Location: überall und für immer

Als wir uns überlegt haben, diesen Artikel zu schreiben, hatten wir eigentlich angedacht, ein paar Tipps anzubringen, wie eine Freundschaft ewig hält, wie man miteinander wächst und sich gegenseitig stützt. Wir wollten die Grundsteine unserer BFF Geschichte offenlegen, das Fundament quasi und verraten, wie man sich nicht auf den Sack geht, wenn man so sehr aufeinander hängt, wie wir. Das Dumme ist, dass man das überhaupt nicht in Worte und Tipps verpacken kann - es war bei uns einfach von Anfang so. Ab dem Tag, an dem wir Best Buddies wurden, hingen wir immer gemeinsam ab. Uns verband von Minute eins so ein Band, wie man es aus Erzählungen über Zwillinge kennt (für die man uns witzigerweise auch schon hielt - obwohl wir so unterschiedlich aussehen). Mit jedem verstreichenden Tag haben wir damals mehr Zeit miteinander verbracht, bis wir mit 13 quasi schon zusammen wohnten, jedes Wochenende gemeinsam verplanten und als wir endlich so alt waren, dass wir allein verreisen konnten - auch dies als Duo taten. Wir waren nie einfach Freunde, wir waren immer ein Team, ein 'zusammen sind wir stark'. Seit einigen Jahren wohnen wir nun tatsächlich zusammen, erst in einer WG in Köln, dann in Hannover, jetzt eben in Island. Wir verbringen nahezu jeden Tag miteinander. Wir streiten uns vergleichsweise selten, der Gesprächsstoff geht uns niemals aus, die Zukunftspläne auch nicht. Ein Leben ohne die andere ist absolut unvorstellbar geworden, auch wenn wir nicht unser ganzes Leben lang zu viert in einer Wohnung wohnen wollen - ein gemeinsames Land muss es schon sein. Und die Häuser in Laufnähe, unter 5 Minuten. Selbst wenn es manchmal knallt, über die essentiellen Dinge haben wir uns noch nie gestritten. Die, an denen angeblich jede Freundschaft zerbricht. Geld, zum Beispiel. Im Gegenteil, wir haben sogar ein gemeinsames Konto, weil das für uns einfacher ist. Wir gehen schließlich eh immer zusammen einkaufen. Und mal braucht die eine Maskara, mal die andere neue Haarfarbe, aber irgendwo kommt es aufs Selbe heraus und dann passt das schon alles. Wir zanken uns nicht darüber, wie wir die Wohnung dekorieren, weil wir es das gleiche Bild vor Augen haben. Und wenn es mal Krach gibt, dann hält er nicht länger als ein paar Stunden und hinterher drücken wir uns und sagen uns gegenseitig, wie leid es uns tut. Die Reaktionen auf unseren merkwürdigen Bund reichen von Neid bis Kopfschütteln, manche sagen, wir führten eine wahre Bilderbuchfreundschaft, andere finden unser Lebensmodell merkwürdig und warten immer nur darauf, dass es auseinender bricht. 

Über die Zeit hat unsere Freundschaft uns unglaublich gerägt, so sprechen wir häufig in der Wir-Form, manchmal sogar, wenn wir ausnahmsweise allein sind und das Gegenüber nicht weiß, wer jetzt bitte 'wir' ist. Wir bewegen uns in bestimmten Momenten sehr ähnlich, zumindest auf Band klingen unsere Stimmen fast gleich. Bei manchen Sätzen so sehr, dass niemand uns noch auseinender halten könnte. Wir haben uns mit unserem Kleidungsstil in eine gemeinsame Richtung entwickelt, unser Humor ist so komplex geworden, dass ein Aussenstehender die Hälft nicht versteht, genauso haben wir Sprachabkürzungen und Spaßworte erfunden, die nur wir verstehen. Das war gar keine Absicht, sondern ist einfach passiert. Wahrscheinlich kam man deswegen auf die Idee, wir seien Zwillinge. Im Allgemeinen denken wir nicht darüber nach, wie das alles auf andere wirkt, nur in manchen Situationen müssen wir dann schon lachen, weil wir sichtlich für Verwirrung sorgen. Zwei Frauen in unserem Alter, offensichtlich kein Paar aber immer zusammen unterwegs - es ist wahrscheinlich schon ein bisschen abstrus. Wir können uns unser Leben nicht mehr anders vorstellen. Manchmal brauchen wir Zeit für uns selbst, ein paar Stunden allein, vielleicht lesen, Musik hören, oder generell abschalten. Aber dann wird uns ohne einander auch schnell langweilig. Natürlich verbringen wir Zeit allein mit unseren Jungs, auch mal ein Wochenende getrennt unterwegs muss drin sein. Aber dann texten wir zwischendurch. Selbst, wenn es nichts Bahnbrechendes zu erzählen gibt. 

Die Frage, die wir am häufigsten gestellt bekommen ist, ob wir uns nicht auch mal auf den Sack gehen. Wir wohnen zusammen, arbeiten zusammen, reisen zusammen, haben ein gemeinsames Konto, eine gemeinsame Katze und alle Zukunftspläne binden immer die andere mit ein. Ein gemeinsames Grundstück kaufen, zwei Häuser darauf bauen, zusammen ein Bed & Breakfast betreiben, am selben Wochenende heiraten. Und Kinder? Wir sagen immer: Wenn ich eins bekomme, dann musst du auch sofort schwanger werden! :D Wir sehen uns mit 80 gemeinsam auf unserer Veranda sitzen, es kann nicht anders sein. Bei so viel aufeinander hocken, da muss man sich doch eigentlich auch mal auf die Nerven gehen - wie oft haben wir diese Aussage schon gehört. Die Sache ist nur so: wir gehen uns nie auf die Nerven. Nicht in diesem klassischen, augenverdrehenden Sinne. Wir fetzen uns mal, wir sind mal unterschiedlicher Meinung und wir brauchen wie gesagt auch mal ein paar Stunden nur für uns. Oder ein Wochenende allein mit den Partner. Aber dass wir uns auf die Nerven gehen würden, so ist es nicht. Wir glauben, dass es zum einen natürlich viel damit zusammenhängt, dass wir uns eben so unheimlich gut kennen, dass wir uns über all die Jahre einfach perfekt eingespielt haben, wie Zahnräder in einer Uhr. Man weiß, wo die andere empfindlich ist, bei welchen Dingen man sich besser vorsichtig ausdrückt. Wir wissen die Emotionen der anderen einzuschätzen, spüren, wenn z.B. hinter Ärger eigentlich Trauer steckt, hinter Frust einfach Hunger oder hinter Schweigen nur Müdigkeit. Es hat viel mit Respekt zu tun. Zu respektieren, wenn dein Gegenüber nicht gut drauf ist, z.B. Bereit zu sein, eine Last mitzutragen, Fragen zu stellen, wenn es notwendig ist, aber auch keine zu stellen, wenn man es längst verstanden hat. Schlechte Laune einfach auszusitzen, weil es in Ordnung ist und jeder die mal hat. Wir respektieren einander. Ohne wenn und aber. Wir halten uns gegenseitig den Rücken frei. Wir stützen uns aufeinander und bauen uns gegenseitig auf. Wir erlauben uns, genau so zu sein, wie wir eben sind. Wir nehmen Rücksicht und wir sorgen uns. Wir geben eher was vom eigenen Glück ab und auf, als die andere unglücklich zu sehn. Und wir wachsen aneinender, 'erziehen' uns zu besseren Menschen, sind der Schleifstein, den man im Leben manchmal braucht. Wenn eine von uns sich wirklich doof benommen hat, dann sagen wir das. Wir sprechen aus, wenn etwas nicht in Ordnung ist, weisen uns gegenseitig darauf hin, wenn man eine Situation anders hätte angehen können. Und wir lernen stetig dazu. Nicht so rauszupoltern, wenn einen etwas stört, beispielsweise. Nicht einfach gleich sauer zu werden, sondern sachlich zu bleiben und eine Lösung zu suchen. Das ist bei aller Liebe manchmal verdammt anstrengend und wir sind noch immer weit davon entfernt, stest ganz erwachsen und produktiv an solche Probleme heranzugehen, aber wir haben gelernt, dass man alles lernen kann. Gemeinsam. Wir sind nicht Blutsverwandt, aber Wahlfamilie, wir haben einander ausgesucht und gehen jetzt durch alle erdenklichen Lebenslagen. Ein ganzes Leben lang. 

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4 Comments

Stephi 4 months, 1 week ago

Hier reicht ein einfaches:
<3
um alles zu sagen.

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Verena 4 months, 1 week ago

Ach Mädels, dass ist eine so schöne Liebeserklärung an euch gegenseitig, ich finde eure Verbindung wirklich wahnsinnig einzigartig und besonders! <3 Wie lief dass eigentlich am Anfang mit euren Männer, haben die sich auch von Anfang so gut verstanden, dass zusammenziehen nie ein Problem war?

Liebste Grüße und einen schönen Sonntag,
Verena

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Alla 4 months, 1 week ago

Es ist so schön geschrieben!

Liebe Grüße
Alla | https://unedesfemmes.com

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Rieke 4 months, 1 week ago

Ist das schön!!!!
<3

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