Warum es zum Problem werden kann, keine Probleme mehr zu haben.

Wir dürfen nicht wegsehen.
Dieser Beitrag enthält ein Sponsored Video von REWE und Procter & Gamble.

Was für eine reißerische Überschrift, nicht wahr? Allerdings birgt sich in ihr viel Wahres, wie wir in den letzten zwei Jahren lernen durften. Wir beziehen uns hierbei übrigens nicht auf persönliche Probleme, wie beispielsweise die Steuererklärung (denn darauf können wir gern verzichten) und wollen auch gar nicht sagen, dass es nicht verdammt großartig wäre, wenn es einfach überhaupt keinen Stress mehr gäbe und die Welt ein Ort des Friedens wäre. Doch solange dies nicht der Fall ist, kann es wirklich schwierig werden, wenn man sich dem Ganzen (wenn auch unbewusst) völlig entzieht. Bevor ihr unseren Gedankengängen gar nicht mehr folgen könnt, wollen wir aber von vorn anfangen und erklären, was wir mit dieser Aussage denn nun genau meinen. 

Wir wohnen die meiste Zeit des Jahres in Reykjavik. Laut dem World Peace Index liegt Island (das zigste Jahr in Folge) auf Platz 1 der friedlichsten Länder der Welt. Absolut nirgendwo auf diesem Planeten gibt es weniger Kriminalität, als auf dieser wundervollen Insel im hohen Norden. Und das verändert einen. Man schaltet ab. Lebt im Hier und Jetzt und vergisst so manches Mal komplett, dass es ein aussergewöhnliches Glück ist, in einer derart rosaroten Blase zu weilen. Man schließt das Auto nicht mehr ab und zieht die Haustür nur kurz hinter sich zu. Wenn man den Schlüssel versehentlich im Schloss stecken lässt, dann ist das nicht der Rede wert. Die Tasche lässt man im Café an seinem Platz stehen, wenn man mal auf's Örtchen muss und selbst die teure Kamera kann man dort liegen lassen. Wenn man seinen Pass / seine Kreditkarte / sein Sonstirgendwas verliert, dann bekommt man es so gut wie immer zurück. Es gibt selten Schlägereien, kaum jemals einen Mord (in den meisten Jahren liegt die Mordrate tatsächlich bei 0,0%), das einzige Vergehen, was in Island in aller Munde ist, ist Korruption in der Politik. In den internationalen Nachrichten wird über das Weltgeschehen gesprochen, über die Wahlen in Amerika, über den Krieg im Osten, über Armut. Die lokalen Nachrichten, die, die sich um das eigene Land drehen - sie sprechen von kommenden Stürmen, von Naturgewalten, vielleicht vom Handball, natürlich von der eigenen Regierung und darüber, was diese so macht. Jeder Politiker, Künstler, Sänger, Schauspieler, kann jeden Moment im Supermarkt neben dir an der Kasse stehen oder im Swimmingpool seine Runden drehen - es gibt keine Bodygards. Es gibt keine Armee, keine Waffenlobby, es gibt lediglich eine 'Drogenmafia' und die wird von allen belächelt, so wenig hat sie mit einer echten Mafia zu tun. Wenn mal jemand nachts eine krasse Party schmeisst und die Polizei deswegen anrückt, dann steht die Nachbarschaft begeistert am Fenster und schaut zu, weil mal was los ist. Selbst im Sommer und mit den großen Touristenfluten ist die Kriminalität in Island noch nicht eingezogen. Es gibt Schwierigkeiten in puncto Umwelt, nicht jedoch in puncto Verbrechen. 

Man merkt es den Landsleuten an. Sie informieren sich zwar, was in der Welt so abläuft, sind aufgeschlossen und im Durchschnitt ziemlich gebildet - aber sie können sich nichts unter all dem Hass vorstellen. Es ist viel zu weit weg, viel zu sehr von der lebenslangen Realität entfernt. Wir würden die Isländer deswegen nicht gleich als naiv bezeichnen, sie sind einfach überzeugte Pazifisten und verstehen überhaupt nicht, warum sich nicht alle lieb haben und einander einfach machen lassen. Gerade den jungen Leuten sind Religionskriege fremd, sie kennen Zwiespälte, Ausgrenzungen nicht. Sie sehen einen an und fragen, warum die Menschen nicht aufgeschlossen aufeinander zugehen. Kennen keinen Extremismus, keine Gewalt, nicht im wahren Leben jedenfalls. Das steckt an. Und so finden wir uns manchmal zwischen zwei Welten wieder. Zwischen einem friedlichen Island, wo eine Diskussion nach drei Bier das höchste der aggressiven Gefühle ist und Deutschland, wo wir mit unseren Familien viel über die weltpolitische Situation sprechen, wo man an Berlin plötzlich wieder nah dran ist, wo Emotionen hochkommen. Mit jedem einzelnen Mal mehr, welches wir nach Island entschwinden, verlieren wir ein bisschen weiter den Bezug zu all dem Grausamen auf dieser Welt. Auf der einen Seite ist das schön, weil man sich eben sorglos fühlt und frei und schwerelos, aber es ist auch ein Problem. Weil man den Anschluss verliert, weil der Blick aufs Wesentliche nicht nur immer nur der auf das eigene sein sollte. Weil es nicht nur das Glück für einen selbst gibt. Wir wollen nicht so tun, als sei der Planet in bester Ordnung, als sei diese Welt heile, als wären alle Menschen in einer rosaroten Blase zu Hause. Das ist egoistisch, das ist ignorant. Daher reden wir ganz bewusst über die Politik in Deutschland, über das Geschehen auf dieser Welt. Lesen Nachrichten, schauen internationale Sender. Man darf die Augen niemals verschließen, nicht blind werden, was die 'anderen' anbelangt.

Es gibt nicht nur uns vier und Pommes, den Blog und ein ruhiges Leben in Reykjavik. Es gibt Armut, Kampf ums Überleben, Krieg, Krankheit. Tiere werden gequält, Menschen werden gepeinigt, die Natur mit Füßen getreten. Und nur, weil wir das nicht mehr so oft und bewusst sehen, passiert es dennoch. Auch wenn man die Welt nicht heilen kann, indem man sie nicht ignoriert, so kann man es schon gar nicht, wenn man einfach wegsieht. Manchmal fällt es uns unendlich schwer, nicht in die andere Richtung zu blicken, in die weiche, warme, friedliche Island Richtung. Es fällt uns schwer, in Deutschland wieder mit der Realitätskeule getroffen zu werden, wieder nah am Geschehen zu sein - was sollen wir da lügen. Am liebsten würden wir uns auf dem Sofa zusammenrollen, mit einer schnurrenden Pommes, und in den Schnee hinausschauen. Einen Kaffee schlürfen und gähnen und uns so richtig herrlich sorgenfrei fühlen. Und manchmal, da machen wir das auch. Aber eben nicht immer. Weil wir es ein verdammtes Privileg ist, dass wir uns einrollen können, um uns sorgenfrei zu fühlen. Tausende und abertausende Menschen machen dies zu ihrem Schutz. Wir müssen hinschauen und reden und gute Dinge miteinander teilen.

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7 Comments

Maria 5 months, 1 week ago

Oh ja, das ist etwas, wovor ich sehr viel Angst habe, wieder in der Realitaet anzukommen, wenn ich dieses Fruehjahr nach drei Jahren Island wieder nach Deutschland zurueckkehre. Ich habe mich hier schon auch international und newsmaessig informiert, aber es war eben leichter, das alles nicht zu sehen, wenn man z.B. die Sprache noch nicht perfekt spricht. Aber mir wird diese Friedlichkeit fehlen, einfach das Auto irgendwo unabgeschlossen stehen lassen zu koennen.

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karin 5 months, 1 week ago

euer layout spricht mich sehr an, habt ihr toll gemacht - freue mich auf viele spannende posts.
egal in welchem land man lebt, es gibt vor- und nachteile. island in der kriminalitätsstatistik top, aber erntet einige minus punkte wegen dem walfang.
habt ihr aber gut geschrieben, wie immer.

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Anna 5 months ago

Hey Ihr Lieben,
kurze Anmerkung: der Fließtext ist durch die kleine Schrift mit Serifen sehr anstrengend zu lesen.

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vivien_noir 5 months ago

Eure Beschreibung von den Isländern ist wirklich treffend, und diese Atmosphäre, die sie in ihrem ganzen Land geschaffen haben, ist einzigartig. Dass sich da alle anderen "Welt-Probleme" wie aus einer anderen Welt anfühlen, kann ich nachvollziehen - es scheint dann so unwirklich! Da dann trotzdem nicht in der eigenen Seifenblase abzuheben, erfordert schon ein bisschen Mühe und wiederholtes Bewusst-machen.

Ich bin übrigens wirklich beeindruckt von eurem Layout! Es ist wunderschön geworden, und der neue Header ist so hübsch, dass ich ihn am liebsten als Poster hätte! Könnte da nicht z.B. Junique was machen...? <3

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Lena 5 months ago

"Gerade den jungen Leuten sind Religionskriege fremd, sie kennen Zwiespälte, Ausgrenzungen nicht. Sie sehen einen an und fragen, warum die Menschen nicht aufgeschlossen aufeinander zugehen. Kennen keinen Extremismus, keine Gewalt, nicht im wahren Leben jedenfalls." diese Fragen stelle ich mir übrigens als Deutsche ebenso.

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Like A Riot 5 months ago

Liebe Lena,
selbstverständlich, die Fragen stellen wir uns auch. Viele Menschen werden sich diese Fragen stellen, aber sie sind uns nicht fremd. Wir kommen mit solchen Dingen in Berührung, haben sie 'näher' an uns, sehen Ausgrenzungen und co. live, mit eigenen Augen, in so vielerlei Hinsicht. Das hat man bei so einer kleinen Community natürlich nicht, es gibt diese Berührungspunkte ja gar nicht. Ob das jetzt positiv ist, sei mal dahingestellt, das wollen wir nicht werten. Das viele, viele Deutsche aufgeschlossen sind, das sollte in dieser Aussage nicht unter den Tisch fallen. Uns ging es nur darum, dass wir hier in Deutschland die andere Seite eben auch haben. Die Blinden, die fiesen Zungen und verqueren Ansichtsweisen (in unseren Augen verqueren), in Island sieht man das selten - weil eben die besagte Gegenseite fehlt. :)
Alles Liebe

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Julia 5 months ago

Wow, ein toller Post. Unfassbar, wie gut ihr einfach das, was euch beschäftigt, in Worte und dann auch noch in einen Beitrag packen könnt. Da krieg ich manchmal Gänsehaut! Danke
Julia

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