Wann ist das Danke eigentlich optional geworden?

An unsere vermeintliche Zivilisation:
Location: Planet Erde

Wir schaffen unsere Gesellschaft langsam selbst ab. Wie wir zu einer derart harten Einschätzung kommen?
Weil neuerdings selbst das Danke optional ist. 

Wir bekommen so einige Emails, private Nachrichten auf Facebook und Instagram. Manchmal sind es unheimliche nette Worte zu dem, was wir hier verfassen, den Bildern, unseren Ideen und Projekten - das meiste sind jedoch Fragen. Ab und an zu Kleidungsstücken und nach Hilfestellung bei privaten Problemen, sehr viel häufiger zu Island. Kurze Anfragen (wie beispielsweise, was man an einem Regennachmittag in Reykjavik spontan machen könne) und umfangreiche Listen zur konkreten Reiseplanung, die wir abarbeiten sollen (wie beispielsweise "ich komme von dann bis dann - wo kann ich schlafen, wo bekomme ich ein Auto, was schaue ich mir am besten an, wo kann ich essen und hier kommen meine 10 Stops, die ich unbedingt einlegen möchte"). Manchmal sind wir aufgrund der Anfragen ein wenig sprachlos, meist setzen wir uns aber tatsächlich hin, unterbrechen unsere Arbeit (nämlichen unseren Blog mit genau diesen Informationen zu füllen, sowie parallel einen Reiseführer zu schreiben, der all diese Fragen klären soll) und klemmen uns an die Beantwortung der Mails. Wir suchen die gewünschten Informationen und Links heraus, wünschen einen schönen Tag und viel Freude... und dann passiert nichts. Die Nachrichten werden zwar durchaus gelesen, ein Danke bekommen wir in 80% der Fälle allerdings nicht. Dabei sind die fünf Buchstaben in gerade mal zwei Sekunden getippt - wenn man sich Zeit lässt. Wir fragen uns immer, ob diese Personen das im Alltag wohl auch so handhaben. Ob sie zum Beispiel auf der Straße nach dem Weg fragen und sich nach der Antwort einfach umdrehen und weitergehen. 

Es geht natürlich nicht nur uns so. Immer öfter sitzen wir im Café, Restaurant, stehen an der Kasse und die Menschen bekommen das simple Danke nicht mehr heraus. Die Bedienung am Tisch wird beim Servieren gekonnt ignoriert, an jedem Schalter, in jeder Schlange, ach in so vielen Alltags-Situationen bekommen wir mit, wie man sich gegenseitig nur noch anpampt, kein Lächeln, schon gar kein Danke schenkt. Haben die Menschen etwa vergessen, dass, so wie es in den Wald hinein schallt, es auch wieder heraus schallt? Das man sich nicht wundern braucht, wenn keiner mehr helfen möchte, Dienstleister notorisch schlechte Laune haben? Wir können es zu 100% verstehen, das Menschen in öffentlichen Positionen, sei es als Kontrolleur, hinter der Bar oder beim Friseur, oftmals keine Lust mehr auf ihren Job haben, selbst grantig werden. Wir schauen immer nur alle anderen an und beschweren uns über ihren Unmut, denken aber nicht sonderlich gern darüber nach, dass wir uns selbst ein wenig mehr zusammenreissen könnten. Wir beide haben uns angewöhnt, IMMER Danke zu sagen und JEDEM ein Lächeln zu schenken. Sei es dem Nachbarn, der konsequent nicht zurückgrüßt, jeder noch so mies gelaunten Person und auch online bedanken wir uns und hängen zumindest einen lächelnden Emoticon an. Das ist nicht immer leicht, auch wir bekommen Einiges in den falschen Hals, haben mal einen schlechten Tag oder sind zu faul, aber es verändert das ganze Leben so derart positiv, dass es die Überwindung und Zeit in jedem Falle wert ist. 

Da gibt es zum Beispiel die eine Dame an der Kasse in unserem Stammsupermarkt in Hannover. So lange wir sie kennen, hat sie einen mürrischen Gesichtsausdruck und ist unfreundlich zu absolut jedem. Wir haben immer nur ein kurzes "Tach" gemurmelt, unsere Tüten gegriffen und sind aus dem Laden gerauscht. Angenervt für die nächsten Minuten 'warum die eigentlich immer so 'ne scheiß Laune hat'. Bis wir uns vor einigen Jahren überlegt haben, einfach besonders freundlich zu ihr zu sein. Wir haben sie also angestrahlt, 'Vielen Dank' gesagt und einen schönen Tag gewünscht. Erst war sie ein wenig verwirrt, dann wurde es von mal zu mal besser, mittlerweile lacht sie uns schon entgegen, wenn wir den Laden betreten. Und wir freuen uns, wenn sie an der Kasse sitzt. Uns ist es damals so richtig bewusst geworden, dass miese Laune plus miese Laune nur einen miesen Tag bedeuten kann und das ein simples Lächeln und ein schlichtes Danke diesen Kreislauf unterbrechen. Die Rechnung geht fast immer auf und verändert viel. Uns ist es ein Rätsel, warum all diese zwischenmenschlichen Höflichkeiten mehr und mehr ad acta gelegt werden, warum man mittlerweile fast argwöhnisch beäugt wird, wenn man seinen Platz anbietet, warum Menschen sich überrumpelt fühlen, wenn man nett zu ihnen ist. Wie kann es auf der einen Seite chic sein, sich mit seiner 'Girl-Squad' zu zeigen und Zusammenhalt unter Frauen zu predigen, wenn man auf der anderen Seite all denen ausserhalb des erlauchten Zirkels nicht mal ein simples Danke entgegen bringt. Dynamiken und Entwicklungen, die die Welt nicht braucht. 

Gedränge, der sprichwörtliche Ellbogen-Einsatz, Schlechtmachen hinter dem Rücken, Intoleranz aller Art, mürrische Antworten sind immer häufiger an der Tagesordnung - das ist keine Neuigkeit. Aber das mittlerweile auch das Danke nur noch eine Option darstellt, das hat sich erst in den letzten Jahren eingeschlichen. Wir leben in einer modernen Gesellschaft, mit modernen Ansichten, moderner Rollenverteilung und überholten Redewendungen und Höflichkeitsformen. So wichtig Fortschritt ist, so wichtig ist es auch, gleichzeitig keine Rückschritte zu machen. Zu verrohen und abzustumpfen, keinerlei Höflichkeit und Manier mehr an den Tag zu legen - das ist unserer Meinung nach ein gewaltiger Rückschritt. Und er trägt ganz sicher nicht dazu bei, einer angespannten Weltbevölkerung, die ihr Leben im Stress und zwischen den Stühlen lebt, irgendeine Erleichterung zu bringen. Wir gehören keinem 'Preach Love' Kult an, gehen nicht blind durchs Leben und verleugnen jeglichen Hass auf dieser Welt. Wir stehen auch nicht dafür ein, dass man mit einer Umarmung ganze Kriege lösen kann. Aber wenn wir uns nicht mal mehr mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen können, wenn wir für Hilfe nicht mehr Danke sagen wollen, dann ist das ganz sicher kein Zustand und trägt nur dazu bei, dass wir Menschen uns mehr uns mehr gegeneinander wenden. Also Bitte - mehr Mut zum Danke! ;) 

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11 Comments

Lena 2 months, 3 weeks ago

Danke dafür! <3

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Amy 2 months, 3 weeks ago

Ihr habt so sehr recht! Danke fürs Bewusst machen <3. Alles Liebe nach Island :)

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Lisa 2 months, 3 weeks ago

Danke für den Beitrag!! Denn genau das denke ich mir auch sooo oft und kann nicht verstehen, dass es allen so schwer fallen muss sich mal ein kleines bisschen Anerkennung raus zuquetschen.

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Anna 2 months, 3 weeks ago

Eigentlich so simple und selbstverständliche Worte, trotzdem gut, dass ihr sie hier noch einmal so deutlich aufgeschrieben habt! Danke! Ich bin auch ein sehr positiver Mensch und schenke jedem mein Lächeln. Kann daher sehr gut verstehen, wie es euch geht!

Liebe Grüße
Anna

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Tina 2 months, 3 weeks ago

Ich kann euch da nur zustimmen. Gerade an Kassen fällt mir das immer besonders auf.

Was heisst eigentlich danke auf isländisch? Das wäre als Fun Fact doch ganz interessant. Und ist das ganze eigentlich eher so ein deutsches Ding,oder erlebt ihr das in Island auch? DANKEEEEE

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nossy 2 months, 3 weeks ago

Toller Beitrag! Und ihr habt ja soooo recht. Wobei ich finde, dass es nicht nur in den letzten paar Jahren so ist, sondern schon länger. Ich sag auch immer gerne: "Ein Lächeln kann die Welt verändern. :) Meine Welt. Und deine Welt."

Viele Grüße nossy

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Mel 2 months, 3 weeks ago

Ich lebe auf Sri Lanka und in der singhalesischen Sprache werden Danke und Bitte so gut wie gar nicht genutzt. Die Singhalesen wünschen sich auch keinen guten Morgen :D Wenn man sich begrüßt startet man gleich mit "wie geht's?" Und wenn man geht mit "wir gehen dann mal" Ich fand das am Anfang sehr sehr sehr komisch. Vor allem wenn mein Freund z.B. das Wasser möchte und dann sagt "gib mir das Wasser" anstatt "kannst du mir bitte das Wasser geben". Da hab ich mehrfach sparsam geguckt. Inzwischen fragt er meistens höflich :D
Neulich wollte dann im Restaurant ein ausländischer Kellner unsere singhalesischen Freunde über die Nutzung des Wortes "bitte" belehren. Das kam weniger gut an. Besser ist es einfach bitte und danke zu nutzen und zu lächeln und wie von Zauberhand fängt das Gegenüber auch an. Bezüglich der E-Mails kann ich es mir nur so erklären, dass manche Leute vielleicht nicht nochmal "nerven" wollen? Andererseits fragt man dann ja auch nicht nach einer kompletten Reiseroute...

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Isabel 2 months, 2 weeks ago

Wahre Worte und schöner Beitrag, genau das denk ich mir auch oft.

Danke euch =^.^=
Wünsche euch einen feinen Tag!

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Elisabeth 2 months, 2 weeks ago

Hallo Linda, hallo Caro,

vielen vielen Dank für diesen Post, ihr habt SO Recht mit dem was ihr sagt! Ich verstehe es auch überhaupt nicht, warum man nicht mal ein kleines Dankeschön sagen kann, wenn man von anderen etwas kommt. Für mich ist das selbstverständlich und ich versuche auch immer allen mit einem Lächeln zu begegnen oder im Internet ein lachendes Emoticon zu verwenden, so wie ihr auch. Gehört das nicht eigentlich zum guten Umgangston zwischen Menschen? Erst vor ein paar Tagen habe ich mit einer Freundin geredet, die anderen Leuten etwas zugeschickt hatte, weil diese drum gebeten hatten oder einfach um Ihnen eine Freude zu machen. Und von den meisten bekam Sie keine Antwort, nicht mal ein einfaches Danke. So etwas verstehe ich absolut nicht. Umso toller finde ich es von euch, dass ihr hier auf eurem Blog darauf aufmerksam macht! Auch grade bei solchen E-Mails von denen ihr erzählt, das grenzt schon fast an eine Unverschämtheit nach einer Reiseroute zu fragen und es dann als selbstverständlich abzutun! Trotzdem toll von euch, dass ihr euch immer die Mühe macht auf Kommentare und E-Mails zu antworten. Kann mir vorstellen, dass bei solchem Verhalten schnell die Lust daran verloren geht.

Das ist jetzt doch alles etwas länger geworden. Was ich eigentlich sagen wollte: Danke, dass ihr euch nicht unterkriegen lasst und trotzdem die zwei netten Frauen bleibt, die ihr seid! Und die auch mal "Danke" sagen können.

Viele Grüße, Elisabeth :-)

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Susanna 2 months, 2 weeks ago

Das habt Ihr echt toll formuliert!
Als älteres Semester geb ich die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch etliche junge Leute wie euch gibt, auch wenn ich sie in meinem Alltag oft mit der Lupe suchen muss. Ich gebe zu, ich komme mir manchmal echt bescheuert vor, wenn ich beim Spaziergengehen Leute grüße, die locker 30 Jahre jünger sind als ich. Und wenn sie dann nicht mal zurückgrüßen, tut das manchmal fast weh. Aber beim nächsten Spaziergang denke ich meistens nicht mehr dran und schaue dem entgegenkommenden Spaziergänger wieder in die Augen und versuche zumindest zu grüßen. ;-)
Und die Story mit der Kassiererin ist nur zu wahr! Wie sagte meine Urgroßmutter immer? "Dem bösen Hund gibt man einen Knochen mehr". Dann ist er vielleicht gar nicht mehr so böse. :-)))
Macht weiter so und danke für euren tollen Blog.

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vivien_noir 2 months, 2 weeks ago

Ich sage so oft es geht "danke" für und zu allem möglichen. Mein Freund sagt dann ganz oft "nichts zu danken" darauf - aber ich entgegne ihm jedes Mal, dass man nie genug danke sagen kann. Am Ende des Lebens sind sicher viele "danke" noch immer nicht gesagt. Deshalb bedanke ich mich sogar für Absagen auf Kleiderkreisel (viel häufiger bekommt man nämlich gar keine), auf die Erledigung von Reklamationen (manchmal bekommt man da ein richtiges Paket zurück, statt den einen einzelnen defekten Artikel! Wenn das nicht ein großes Danke wert ist!), und ganz oft drücke ich mein Danke auch entweder in einer Empfehlung oder einer Handlung aus - z.B. das Weiterempfehlen eines Lokals und das immer wieder Erwähnen eines (eures! nämlich!) Blogs.

Im Hotel habe ich mich vor 2 Tagen beim Personal sehr für das schön aufgebaute und sehr gute Frühstück bedankt, und für ihre Aufmerksamkeit. Mich hat das einfach glücklich gemacht, und am Gesicht meines Gegenübers konnte ich sehen, dass in ihm in dem Augenblick ein ebenso strahlender Funken aufgegangen war, wie zuvor in mir. Und die Reaktion auf Dankbarkeit zu sehen ist oft noch schöner, als das, was davor stattgefunden hat!

EUCH z.B. bin ich immer und immer wieder irrsinnig dankbar für so viel - kostenloser! - Information und Unterhaltung, so viel Gesprächsstoff und Gedankenanstöße, so viel "ich will auch so schöne Fotos machen können!"-Inspiration und so viel Glück. Danke :*)

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