ByeBye Blog - eine Abrechnung mit dem Medium, uns selbst und der Branche.

Man soll gehen, wenn's am Schönsten ist. 
Location: Home sweet Home 

Der Startschuss war die große berufliche Krise, in der wir uns Ende letzen, Anfang diesen Jahres befunden haben. Seitdem ging es bergauf, stetig bergauf - und trotzdem ist dies nun unser Endpunkt. Es lief nie besser, sowohl privat, als auch im Job. Doch man sagt nicht umsonst: man soll gehen, wenn es am Schönsten ist (oder in unserem Falle, wenn es am besten läuft). Genau das beschließen wir in diesem Moment. Denn 'einfach nur' bloggen, das ist nicht mehr unsere Zukunft. 

Die Gründe:

Dieser Blog ist längst kein (persönlicher) Blog mehr, so wie die meisten Blogs längst keine (persönlichen) Blogs mehr sind. Nicht per Definition jedenfalls. Es ist eine Maschinerie geworden, die nicht zu uns passt. Linda hat Like A Riot gestartet, als das Thema 'Blogging' gerade neu war. Sie kreierte eine Plattform für geteilte Momente, eigene Inspiration, nach ihren eigenen Regeln und betrieben mit echter Leidenschaft. Ein Hobby eben, ein zeitintensives, vielgeliebtes Hobby. Wir beide schreiben schon immer gern, haben unsere Schulzeit nicht in den Diskotheken der Stadt, sondern an unseren Schreib-Blöcken verbracht. Ihr kennt die Story ja: Gedichte, Kurzgeschichten, wilde Zukunftsträume - das war der größte Teil unserer Jugend. Ein Blog klang daher wie ein wahres Vergnügen, man konnte sein Geschriebenes teilen, sich komplett ausleben mit Fotografie und Wort und sogar unserer anderen Leidenschaft konnten wir frönen: der Mode. Die Einführung des Mode- und Lifestyleblogs auf dem (Arbeits-)Markt klang für uns wie die perfekte Zukunft. Man konnte mit seinem Hobby nun Geld verdienen - was für eine grandiose Entwicklung. Doch zu dem Zeitpunkt, als Caro endgültig mit einsteigt und wir uns mit dem Blog selbstständig machen, beginnt auch die Maschinerie, die genormte Inhaltslosigkeit, wie wir es mal ungeschönt in den Raum werfen wollen. Wir haben immer wieder Sinneskrisen, der Blog füllt uns bereits nach zwei Jahren nicht mehr ganz so aus, wie zu Beginn und in der Bloggerblase fühlen wir uns nicht mehr nur unwohl, so wie am Anfang noch, sondern regelrecht deplatziert. Auf den Events kommen wir uns mehr und mehr wie Aliens vor, die Goodie Bag wird für uns in punkto Verlegenheit zum Endgegner, das Einsacken von Dingen, die es 'umsonst' gibt, ebenso - andere genießen regelrechtes Event-Hopping, wir quälen uns fast schon durch die Musts und sind danach dann komplett erschöpft. Das hofiert werden von Agenturen und Kunden ist uns unangenehm, noch mehr aber, wie sehr andere es genießen. Wir winden uns teilweise vor Fremdscham, zwingen uns trotzdem immer wieder, an der Farce teilzunehmen. Nach einem solchen Event gibt es dann auf 20 verschiedenen Blogs den Recap und die Review zum Inhalt der Goodie Bag, wir fragen uns: wer will das lesen/sehen? Die andere Seite der Medaille, die Wahrheit hinter den Kulissen, wie z.B. die teilweise extrem herablassende Haltung in Verhandlungen mit Agenturen und Gesprächen mit Dritten, das Stigmata 'dummer Blogger', es geht uns mindestens genauso gegen den Strich. 

Das Gefühl, dass man gerade von jenen Agenturen, die eben solche Events veranstalteten, hinter dem Rücken belächelt und belästert wird, wurde uns übrigens mehrfach bestätigt. Natürlich ist nicht jede Agentur so, nicht jedes Event sinnfrei und wir haben schon mit tollen Menschen an tollen Projekten gearbeitet. Wir hatten großartige Gespräche und haben uns gut aufgehoben gefühlt, aber speziell solche Goodie Bag Veranstaltungen und Massen-Events sind oft gern mal eine riesige *entschuldigt* verlogene Scheiße. Neulich am Flughafen, in der Schlange am Security Check, hinter uns zwei Agenturdamen auf dem Weg zu einer Bloggerveranstaltung: "Bist du schonmal auf Blogger getroffen?" "Nein, bis dato hab ich da noch nicht viel Erfahrung gesammelt." "Dann mach dich schonmal auf was gefasst. Die ach so bunte und verrückte Welt der Blogger ist noch schlimmer, als du es dir vorstellst." "Im Ernst, so krass?" "Boah richtig übel! Wie hohl die alle sind. Und wie geil die sich fühlen. Egal, schön nett bleiben und denen in den Arsch kriechen, dann machen die alles. Hahahah." "Naja, immerhin müssen wir nicht im Büro sitzen." Kurz haben wir überlegt, uns umzudrehen und uns für den netten Einblick zu bedanken, haben dann aber einfach müde gelächelt und uns mit unserem Bordgepäck an das Band begeben. Das ist ein Mini-Auszug aus dem, was oftmals hinter vorgehaltener Hand passiert. So oder so ähnlich haben wir schon so manche Konversationen mitbekommen. Auf den Events und Trips ist dann natürlich alles Friede und Freunde und jeder ist eines jeden BFF.  

Wir werden in unserem Job also plötzlich mit Menschen konfrontiert, die wir bis dato tunlichst gemieden haben. (Nicht alle selbstverständlich, bitte denkt jetzt nicht, wir würden pauschalisieren.) Selbstvermarkter mit unglaublich übersteigertem Ego, Menschen, die sich aufgrund von Followerzahl-Diskrepanzen nicht einmal mehr grüßen, Überheblichkeit in einem Rahmen, bei dem sich uns fast der Magen umdreht, ein Kampf um den Mittelpunkt. Hinter verschlossenen Türen geht es oft hinterhältig, bissig, verlogen zu. Eine Spirale aus Missgunst und Ellenbogen-Denken dreht sich wild vor unseren Augen, wir schauen zu, wie man sich gegenseitig benutzt, um aneinander zu wachsen und die vermeintlich große Freundschaft dann abgelegt wird, wie ein löchriger Lappen, wenn man keine Zahlen, Klicks und Kooperationen mehr voneinander einheimsen kann. Es gibt echte Freundschaften unter Bloggern, es gibt echte Powerfrauen, es gibt echtes Können und tolle, tolle Menschen - aber es gibt auch Abgründe, die wir vorher so noch nicht gesehen hatten und die uns regelrecht anekeln. Den ersten Soziopathen unseres Lebens haben wir in diesen Reihen erlebt. Es wurde sich gruselig verhalten, wir haben Gespräche über andere mitverfolgt, die uns den Mund haben offen stehen lassen. Wir haben abstruse Aussagen über Gewicht, Leserzahlen, Kleidungspreise und Selbstwert mit anhören müssen, die nichts mit dem zu tun hatten, was dann auf den jeweiligen Social Media Kanälen promotet wurde - NICHTS. Eine riesengroße Lügenblase, ein verdrehtes Weltbild. 

Wir sind 2015 irgendwo mittendrin in all dem und fühlen uns unwohl. Nicht mit mit jedem Blogger, nicht bei jedem Event, aber zum Großteil. Wir ziehen uns immer weiter zurück, denken, wir könnten doch schlicht unser eigenes Ding machen, dennoch ist irgendwie alles genormt. Wir kommen uns meist bescheuert vor, ein erstes Anzeichen, dass wir hier absolut nicht mehr richtig sind. Eines, das wir geflissentlich weiter ignorieren. 'Wir wollten das hier doch. Wir können uns hier ausleben. Wir sind selbstständig, haben so viele Freiheiten. Warum sind wir nicht zufrieden? Warum gehen wir in unserer Aufgabe nicht mehr 100% auf?'. Die Fragen bleiben im Raum stehen und wir wagen es nicht, sie uns ehrlich zu beantworten. Doch mit jedem Monat nimmt unser Unwohlsein mehr zu und Ende 2016 fühlen wir uns fast schon ausgebrannt. Wir verstehen nicht, wieso. Was wir ebenfalls nicht mehr verstehen, sind die allgemeingültigen Trends, ja fast schon Richtlinien des Bloggerdaseins. Die Entwicklungen in der Sparte. Überall wird aber suggeriert, dass man sich diesen Entwicklungen beugen muss, um mit dem Blog überleben zu können, also beugen wir uns. Aus Kreativität ist damit absolutes Einheitsprodukt geworden, wir haben das Gefühl, viele der Menschen hinter den Blogs komplett aus den Augen zu verlieren - aber war das nicht einer der Grundgedanke des Bloggens? Authentizität, Kreativität, der Mensch dahinter? Andauerndes Sich-selbst-filmen, Beiträge noch privater (ohne dabei wirklich ehrlich zu sein), noch mehr für sich selbst werben, click-bait Überschriften, mehr locken, mehr um Kommentare betteln, mehr verkaufen, mehr, mehr, mehr. Instagram geht von dem privaten Stream aus Bildern des Alltags nun wirklich und final in einen 'cohesive Feed' aus Standardbildern über, die meisten kopieren einander, übertrumpfen sich in den immer gleichen Motiven und Farben. Man macht Flatlays, Modefotos von hinten, shoppt sich dünner, die Augen größer, der Weichzeichner wirkt fast skurril und der Wahnsinn nimmt kein Ende. Instagram Stories lösen Snapchat ab, man postet jetzt, dass man ein neues Bild hochgeladen hat (verschlüsselt natürlich, um die Leser aufs Profil zu locken), spricht über seinen neusten Blogpost oder 'unboxt', um direkt noch Werbung einzubauen. Final sind wir jetzt dabei angekommen, dass man sich bei der Geburt filmt. Top geschminkt und mit perfektem Filter - wir sind sprachlos bei so viel verzerrter Realität. Natürlich gibt es auch einen Gegentrend, natürlich ist dies nicht das Maß aller Dinge - aber es sind viele von eben jenen, die den größten Erfolg haben, die mit ihrem Tun die große Kohle verdienen. Hilfe, denken wir uns, da passen wir doch einfach nicht rein. Wir wollen uns nicht in der überfüllten Innenstadt selbst beim einkaufen filmen. Wir wollen nicht in der Landschaftsfotografie darauf angewiesen sein, eine Drohne und einen Land Rover zu besitzen, weil dies in 90% der Fälle das genormte Erfolgsrezept ist. Dann noch die Sache mit den gekauften Likes und Followern, den Likebots, dem ganzen Geschiss und Bescheisse - wir stehen daneben und schauen zu, wie gelogen wird, dass sich die Balken biegen, man dabei aber ganz ungeniert mit dem Finger auf andere zeigt, um von sich selbst abzulenken. Immer und immer wieder haben wir uns dieses Theaterstück kopfschüttelnd reingezogen. (Wie immer: nicht alle sind in einen Pott zu werfen, aber genug, um uns anzuwidern.)

Auch die Trend-Themen, in die man sich zwangsläufig mit hineinziehen lässt, sie sind uns über. Es ist unsere eigene Schuld, dass wir uns jahrelang haben mitschleifen lassen (von mitreissen kann man tatsächlich nicht sprechen), unsere eigene Schuld, dass wir in dem Becken mitgeschwommen sind, statt uns längst rauszuziehen. Wirklich rauszuziehen. Der dauernde Kampf, wer über welches Thema jetzt zuerst geschrieben hat, wer welches Layout Design zuerst hatte, wer wen mit welchem Text angreift - wir haben uns so oft gefühlt, wie in einem keifenden Haufen Kinder. Wir keiften mit und fragten uns nicht selten, warum eigentlich. Denn im Grunde ist uns sowas doch immer egal gewesen. Schon länger fühlen sich viele Beiträge komplett inhaltslos an, alles hat man schon einmal gelesen, alles schon einmal besprochen. Endlose Wiederholungen, Fragestellungen und Tipps, wir nehmen uns da null aus. Auch Outfitbeiträge sind uns unverständlich, selbst unsere eigenen. Wer will sich bitte Infos zur Zusammenstellung eines Looks durchlesen? Wir tatsächlich nicht, wir finden es komplett sinnfrei, über unsere Klamotten zu schreiben - der Absatz übers Outfit ist jedes Mal eine Qual. Nicht die Geschichte dahinter, die Emotionen dazu, vielleicht auch was zum Label, seinen Besonderheiten und Wertvorstellungen - aber warum wir jetzt kariert zu geblümt kombiniert haben? Ob Kleider im Sommer Trend sind oder Blümchenmuster im Frühling oder Boots im Winter? Wen juckt's? Ist das nicht eh jedes Jahr das gleiche Gewäsch? Wir waren nie Trendguides und somit immer fehl am Platz in der Sparte. Dabei lieben wir, uns in der Mode auszudrücken, tolle Marken zu finden, uns mit den Epochen auseinanderzusetzen. Wir ziehen uns gern einer Stimmung entsprechend an und dann Fotos zu knipsen ist kein Aufwand. Aber sich anziehen, um einen gestellten Post nur des schnellen Updates wegen zu produzieren, sich fertigzumachen, nur für Bilder und ohne Geschichte dahinter und dann noch der gestelzte Text dazu, das macht uns schon nach kurzer Zeit regelrecht alle. 

Ein nächster Punkt ist das Verkaufsdrama hinter all dem. Die Geldmaschine Blog. Die Golddruckerei Influencer. Die Dauerwerbesendung, in der wir die Ironie leider nicht mehr belächeln können. Auch hier nehmen wir uns nicht aus, auch fehlt uns nicht das Verständnis. Wer professionelle, hochwertige, ansprechende Inhalte produzieren will, der muss davon leben können. Wer von seinem Blog leben will, der muss verkaufen. Advertorials, Sponsored Posts, Social Media Shares und das alles zu horrenden Preisen, in einem Verhältnis von mittlerweile 30% freien Beiträgen und 70% bezahlten. Bei manchen liegen die letzteren sogar bei 100%, nicht ein Beitrag ist mehr frei von Bezahlung oder zumindest gestellten Gütern. Unserer Meinung nach sollte diese Prozentverteilung genau anders herum sein, um den Blog überhaupt noch persönlichen Blog und nicht online Werbe-Prospekt nennen zu können, aber wer kann sich das schon leisten? Dabei steckt in vielen Fällen wirklich ein kreatives Konzept dahinter, auch echte Arbeit fließt in einen solchen Beitrag - aber in einen Werbespot nunmal ebenso. Unseren eigenen Stand zu all dem haben wir erst dann überdacht, als uns bewusst geworden ist, dass wir selbst längst keine Blogs mehr lesen, AUCH WENN wir verstehen, dass die Werbung darauf läuft, damit der Betreibende überleben kann. Der Blog an sich und seine ursprüngliche Idee und Funktion ist für uns passé und damit auch endgültig unser Interesse an dem Medium. (Viel schlimmer sind übrigens die anderen Fälle: Wenn aufgrund der vermeintlich (und oft falsch angegebenen) hohen Reichweite wahnwitzige Preise für minderwertige Beiträge fließen. 2000€ für drei Fotos mit dem Handy aufgenommen und 500 hingeklatschte Wörter, wir sprechen es jetzt einfach mal aus. Das ist für uns nicht zu rechtfertigen, auch nicht, wenn die Reichweite stimmt.) Ein anderes Verhältnis von Gesponsert/Frei hätte dem Blog vielleicht seinen Wert und Reiz gelassen, aber einen qualitativ mittelmäßigen Online-Werbekanal betreiben und das in großem Stile - kein Wunder, das mehr und mehr Leser die Lust am Medium Blog verlieren. 

Wir sind jetzt final an dem Punkt angekommen, wo wir regelrecht Schwierigkeiten haben, bezahlte Kooperationen anzunehmen und auf Pressereisen zu gehen - so wundervoll diese Dinge auch sein können. Das Anhäufen von 'Sachen' ist uns langsam zuwider. Auch, dass wir Unternehmungen nicht konsequent auf eigene Faust angehen. Dabei selektieren wir doch schon so stark, dass wir stets mit dem Minimum an Gehalt und Reisen (am Bloggerdurchschnitt gemessen) durchs Leben gehen. Doch jeder betont, wie sehr er selektiert und aussiebt, um authentisch zu bleiben - wie soll man dem Einzelnen und auch uns da noch Glauben schenken? So gibt es an einem Tag diese Seife zu besprechen und am anderen Tag die der Konkurrenz. Kaffee trinkt man zufällig immer von genau der Marke, die einen bezahlt, genauso den Alkohol, man nutzt die Pflegeprodukte 'schon seit Jahren', hat 'exakt dieses Traumreiseziel schon immer auf der Liste gehabt' und wenn das an dem einen Tag Party Life auf Ibiza und dem anderen Tag Bergsteigen in der Arktis bedeutet. Da muss sich doch jeder Aussenstehende fragen, wie flexibel der Blogbetreibende so in seinen Ansichten und Werten sein mag. Auf vielen Instagram Accounts und Blogs sieht man eine so umfassende Range von Meinungen und Produkten, dass man die Authentizität dahinter ganz selbstverständlich in Frage stellen muss. Das einem bei solchen Werbeschleudern der Appetit am Lesen vergeht - wir können es absolut verstehen. 

Ein Beispiel zum Ausmaß der Doppelmoral: die vielbelästerte Waschmittel Social Media Kampagne eines großen Herstellers. Ein Magazin hat die (tatsächliche) Lächerlichkeit der Produktplatzierungen auf Instagram Profilen angeprangert - viele sind drauf eingestiegen und haben im sicheren Hafen mitgelästert. Endlich mal auf die Kacke hauen und sich über Kollegen aufregen, da, wo es nicht aneckt und die zustimmenden Klicks trotzdem reinregnen. Überall schossen die kritischen Blogbeiträge ins Netz. Der Witz daran? Einige Tage später macht eine dieser kritischen Stimmen dann auf ihrem Profil Werbung für den Waschmittel-Konkurrenten. Wir sind sprachlos, noch immer. Es gibt zig solcher Beispiel - denn am lautesten krähen meist diejenigen, die von sich selbst ablenken wollen. 

Wir können unser Geld so nicht mehr verdienen. Wir stecken so viel Arbeit in die bezahlten Beiträge, dass wir kaum noch Zeit haben, uns auch frei auf unserem Blog auszuleben. Das Ergebnis ist ein ähnliches Verhältnis von 'Beiträgen in Zusammenarbeit' zu 'freien Beiträgen', wie bei allen anderen auch. Wir können uns nicht mehr ausleben, weil das Schema F eines Blogpostes, ja eines ganzen Blogs, uns total einschränkt. Wir können und wollen uns keiner bestimmten Sparte wie Fashion, Lifestyle oder Reise zuordnen, weil uns all das interessiert und beschäftigt - und noch so viel mehr. Green Living, Ernährung, backen und kochen an sich, Bücher, Musik, Politik, Soziales, Selbstreflektion, Gartenbau, Tiere und Humoristik. Das alles in der Tiefe zu besprechen und immer nach genauen Vorgaben, was Bild- und Wortanzahl anbelangt - das funktioniert auf einem professionell betriebenen Blog, so wie man ihn heute kennt, einfach nicht. Unsere Wertevorstellungen und die eines erfüllten Lebens passen nicht mehr mit unserem Job zusammen - es ist also an der Zeit, ihn an den Nagel zu hängen.

Es gibt Blogger, die passen in diesen Beruf wie die Faust aufs Auge. Sie leisten einen grandiosen Job, können sich toll darstellen, ausdrücken und verkaufen, sie sind authentisch dabei, sie haben ihr Herz an den Job verloren. Wir gehören einfach nicht dazu. Das ist völlig wertfrei gemeint, dass ist einfach ein Fakt. Was uns wohl am allermeisten fehlt, ist die Fähigkeit, uns zu verkaufen. Wir haben nicht das dazu nötige Selbstbewusstsein. Wir werden in diesem Leben keine Influencer mehr und das ist vollends in Ordnung.

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Unterm Strich: Diese Ausführungen sind allein unsere subjektive Sicht auf das, was das Bloggen heute für uns bedeutet, zu was es für uns geworden ist. Es soll nicht jeden Blogger über einen Kamm scheren, denn tatsächlich haben wir hier in Deutschland kreative und fähige Schreiberlinge, die ihre Plattform mit Herz, Hirn und Rückgrat führen. (Wir freuen uns zum Beispiel sehr darauf, wenn Juli von @heimatpottential ihren Blog endlich online stellt und wir ihn lesen können. :)) 

Ab wann ist Schluss?

Natürlich machen wir jetzt nicht in einer Hauruck-Aktion einfach unseren Blog dicht, wir werden die Plattform auch niemals löschen. Tatsächlich sind wir auf einige unserer Beiträge nach wie vor Stolz. Wir haben auch noch tolle Projekte vor, die wir zum Abschluss bringen wollen, dazu gehören die Reisen nach Kanada und Norwegen - zwei Destinationen, die uns am Herzen liegen und auf die wir uns sehr dankbar freuen. Wenn all dies abgewickelt ist, dann legen wir den Blog Like A Riot in seiner Form ad acta. Das zu schreiben, fühlt sich unglaublich merkwürdig an. Aber wir wissen auch, das es der einzig richtige Schritt für uns ist. Seit wir diese Entscheidung getroffen haben, ist uns ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen. Ein Stein einer Größe, von der wir gar nicht wussten, dass sie auf uns lastete. Seitdem wir es laut ausgesprochen haben, sind wir einfach nur erleichtert und auch wesentlich zufriedener. Erst jetzt wissen wir, WIE unglücklich wir in dem festgelegten Rahmen des 'Bloggers' waren. 

Wie es danach weitergeht:

Selbstverständlich werdet ihr uns so schnell nicht los. Zum einen dauert es bis zum Schlussstrich noch eine ganze Weile, zum anderen ist dieser gleichzeitig ein Neubeginn. Ihr lest uns dann wieder viel mehr - allerdings in anderer Form. Es wird eine neue Seite geben, bei der ihr den Blog weiterhin als Archivpage finden werdet. Unseren Shop werden wir ebenfalls weiter ausbauen (unser erstes Produkt ist fertig - wir müssen es nur noch fotografieren und einstellen, wohoo!) und wir schreiben ENDLICH die Bücher, die wir seit Jahren schreiben wollen und für die wir nie Zeit gefunden (oder uns genommen) haben. Unser kreatives Zuhause wird eine Homepage, eine, auf der wir treiben können, was wir wollen. Egal welches Thema, welcher Umfang, welcher Schreibstil, ob fiktiv oder aus dem Leben gegriffen. Keine Schranken mehr, kein Schema F - sowohl im Layout als auch in der Beitragsform und -länge. Wir wollen zurück zum Verhältnis 30/70 zugunsten der freien Arbeit, unser Geld mit den eigenen Werken (E-Books,  Romane, selbstdesignte Produkte) oder in langfristigen Projekten mit Herzensmarken verdienen, bei denen dann auch jeder weiß, dass das tatsächlich authentisch ist. Ein gewagtes Unterfangen, denn ob uns das den Lebensunterhalt noch in der Form sichert, wie jetzt, ist unklar. 

Doch wir wollen uns einfach nicht mehr Blogger nennen, wir sind uns nicht mal sicher, ob wir uns noch Like A Riot nennen wollen. Für uns bedeutet dies zu sehr Richtlinien und Regeln einer mittlerweile viel zu genormten Branche. Vielleicht löschen wir sogar unsere Social Media Kanäle, vielleicht gehen wir damit aber auch schlicht zurück zu dem kreativen Chaos, das sie einmal waren. Vielleicht schreiben wir zweisprachig, vielleicht manchmal gar nichts. Eins ist sicher, wir wollen uns auf nichts mehr festlegen, nirgendwo mehr mitschwimmen. Wir schaffen uns etwas gänzlich Eigenes, etwas, das wir unabhängig von Strömungen und Trends betreiben können. Auf unsere Art und Weise nehmen wir euch weiterhin mit in unser Leben, die ganze Bandbreite aus Emotionen und Interessen, haben dabei aber kein Blogger-Layout oder Magazin Style, sondern ein freies Design, keine Blogger-Events, sondern Spaziergänge am Meer, keine Blogger Gruppenreisen, sondern unsere Touren und unabhängige Trips, keinen reinen Shop, sondern eine interaktive Einbindung des eigenen Schaffens, keine Outfit/Lifestyle/Travel-Posts wie man sie nur noch vorgekaut bekommt, sondern wie sie uns am ehesten zusagen. Eine Bezeichnung für diesen Richtungswechsel haben wir noch nicht, wir werden sie aber finden. 'Shopbetreibende Autoren mit Kreativhomepage', zum Beispiel. :D Wir hören also auf 'Blogger' der aktuellen Generation zu sein und gehen fließend zu etwas Neuem über. Vielleicht in ein paar Monaten, einem halben Jahr, ganz sicher aber in absehbarer Zukunft. Dann sagen wir tatsächlich Auf Wiedersehen. Danach gibt es ein Herzlich Willkommen in unserer eigenen kleinen Welt voller Ideen und Zeugs - wir hätten das schon längst so machen sollen. Und jetzt können wir es kaum noch erwarten, dieses Kapitel zu schließen, uns zu lösen und schließlich neu zu beginnen.

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Happiness only real when shared

Wir hätten zum Thema auch noch diese Artikel hier in petto:

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14 Comments

Johanna 4 months ago

Hey ihr zwei,
Mutige Entscheidung! Wow, ich war geschockt als ich eure Überschrift gelesen habe. Ich lese euren Blog schon einige Jahre und bin einfach begeistert von eurer Arbeit. Ihr steckt so viel Liebe und Leidenschaft in den Blog und ich bewundere euren Lebenstil. Mir geht es ähnlich wie euch ich finde die Entwicklung von Blogs auch eher traurig und mir ist das alles auch zu oberflächlich geworden. Aber euer Blog ist einer der wenigen den ich immer gerne gelesen habe und wo ich mich immer gefreut habe wenn ein neuer post online ist. Ihr habt so eine tolle, ehrliche, nachdenkliche Art zu schreiben und seid so eine Inspiration. Ich wünsche euch wirklich von Herzen das ihr eure neuen Pläne umsetzt und nochmal neu aufblühen könnt. Danke saß ihr euch nicht mitreißen lasst sondern euer Ding macht! Ihr macht es richtig! :)

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Saritschka 4 months ago

Ihr beiden. <3 Egal wie und wo ihr zukünftig schreiben und veröffentlichen werdet – ich bin dabei und freue mich auf alles, was da so kommen wird. Was für eine gute, mutige, wunderbare Entscheidung!

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Anna 4 months ago

Ihr zwei,

so traurig es mich stimmt, dass ihr euch von der ganzen Blogger-Marketingmasche so sehr runterziehen und mitschleifen lassen habt, so sehr freue ich mich auch jetzt über eure ehrlichen Worte und den baldigen Neuanfang!

Bei den meisten Punkten konnte ich nur nicken und habe mich auch wieder gefunden, in Gesprächen oder auf Events, die mir total suspekt waren... Andererseits habe ich mich letztes Jahr ganz direkt gegen die Selbstständigkeit und für meinen authentischen Blog entschieden und mich so gar nicht erst in diesen Strudel ziehen lassen...

Ich bin Like a riot Leserin der ersten Stunde und hab die ganze Entwicklung mitgemacht, eure Professionalisierung von Post zu Post gesehen und auch manchmal bemerkt, dass mehr "der Post musste jetzt unbedingt noch raus", als "das lag nur noch auf dem Herzen" in den Beiträgen steckte...

Schade, dass es bei euch so weit kommen musste. Aber ich bin ganz sicher, egal, was ihr als nächstes anpackt, es wird voller Herzblut sein und ihr werdet euch endlich wieder vollkommen austoben können.

Ich bin sehr gespannt, was da bald kommen wird und freue mich mit euch mit, dass ihr diesen Schritt geht!

Liebe Grüße
Anna

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Stefanie 4 months ago

Ich kann das alles gut verstehen. Ich habe etwa 2012/13 Blogs für mich entdeckt und einige regelmässig betrachtet, eurer war früh dabei uns ist es bis heute geblieben. Andere langweilen mich heute vollends. Was euch angeht, wart ihr stets konkrete Inspiration für Kleidung, Frisuren (wie viele Kleidungsstücke ich bei euch entdeckt habe, die ich zum Teil gekauft habe und bis heute heiss und innig liebe!), für Reiseziele (ich bin auch eher der Kandidat für Norwegen, Finnland, Island, Kanada, Lettland, Inselchen), für Einrichtung und Lifestyle und ihr wart eine angenehme Bestätigung dafür, dass es mir ähnliche Menschen gibt und diese ihren Weg finden und auch mit ihm hadern zwischendurch. Das ist viel Wert und nicht selbstverständlich. Ich bin gespannt, wie es weitergeht bei euch und wünsche euch alles Gute!

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Mel • thisismel.de 4 months ago

PUH! Ich dachte schon, ihr seid dann komplett weg! Ich freue mich sehr auf die Homepage und alles neue, was von euch kommen wird. Zu den Gründen kann ich nur sagen, dass ich euch und euren Blog nie als einen dieser "Standardblogs" gesehen habe – ihr seid eurem Stil immer treu geblieben!

Liebe Grüße

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Amy 4 months ago

Hallo ihr beiden,
ich hatte beim lesen erst ein bisschen Magenzwicken, weil ich dachte ihr "verschwindet" ganz. Ich bin Like a Riot Leserin der ersten Stunde und ich verfolge euch auch unglaublich gerne bei Instagram. Ihr seid eben so echt und ehrlich und man schaut euch gerne zu und liest euch gerne. Ihr bleibt euch treu und es ist wunderschön zu sehen, wie ihr eure Träume verwirklicht habt und das auch weiterverfolgt. Egal was von euch noch kommt, egal wo und wie, ich freu mich drauf und wünsche euch von Herzen dass die Zukunft genauso wird, wie ihr sie euch wünscht.
<3 Alles Liebe

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Sara 4 months ago

Ich freue mich auf euren Neuanfang und das man euch immer noch verfolgen darf. Danke. Good luck.

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Alex 4 months ago

Das ist toll und mutig und alle eure Gründe sind total nachvollziehbar. Aber man, ich werde euch vermissen :) Blogs interessieren mich eigentlich nicht, aber Like A Riot habe ich immer verfolgt (seit ich Linda vor fast 5 Jahren durch mein Island-Fieber gefunden habe).

Macht euch die Welt, wiedewiedewie sie euch gefällt - das könnt ihr eh ganz toll, wie ihr schon vielmals gezeigt habt. Alle guten Wünsche für die Zukunft und die Umsetzung eurer Pläne, ihr Lieben!

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Janschuk 4 months ago

meinen tiefsten respekt euch. diese lebenshaltung ist der grund, warum ihr der einzige blog seid, den ich je konsequent verfolgt hab. dabei ganz viel gelacht und immer inspiriert! ❤ ihr macht das schon.

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Leo 4 months ago

Ach wie schade, ihr beiden! Das war mein erster Gedanke, denn ihr zwei seid mir tatsächlich virtuell ans Herz gewachsen, ihr seid der einzige Blog, den ich konsequent verfolge und stets geschätzt habe. Trotzdem ringt eure Entscheidung natürlich Respekt ab und ihr sollt selbstverständlich tun, was euch glücklich macht. Dennoch bin ich sehr froh, dass ihr nicht ganz von der Bildfläche verschwindet. Ich hoffe, die Social Media Kanäle löscht ihr nicht komplett aus... Zumindest bei Instagram mag ich euren Feed sehr, mit den anderen sozialen Medien hab ich nicht so viel am Hut ;-) So kann man zumindest ein bisschen auf dem Laufenden bleiben und euer neu entdeckter trockener Humor auf Insta bringt mich immer sehr zum Schmunzeln :)

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Rieke 4 months ago

Einfach klasse. Ich freue mich auf den Neuanfang! <3

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Hannah 4 months ago

Das ist genau die richtige Entscheidung!
Nicht nur von Authentizität labern, sondern das auch wirklich LEBEN.
Danke, dass ihr zwei Menschen seid, die zu sich stehen, anstatt sich anzupassen, die bereit sind Konsequenzen zu ziehen, anstatt nur zu meckern. Alles Gute für Euren Weg. Er wird Euch glücklich machen, da bin ich mir sicher. LG Hannah

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Nancy 3 months, 4 weeks ago

Ich bin traurig und gleichzeitig beeindruckt von so viel Mut. Ich werde euch immer begleiten wollen und wenn ich eine monatliche Pauschale zahlen muss, um eure Geschichten und Ideen und Inspirationen zu lesen, dann würde ich auch das tun (dezent verpackter Hinweis zur künftigen Finanzierung). <3

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Chrissi 3 months, 3 weeks ago

Ihr Lieben,
was für ein mutiger Schritt! Ich finde ja, ihr habt euch nach jeder „Sinnkrise“ wieder noch besser zurückgemeldet und der Wandel, den ihr mit der Zeit gemacht habt, hat eurem Blog immer gut getan. Aber – ich kann eure Entscheidung auch nachvollziehen. Es ist unglaublich schade, dass ihr aufhören wollt, aber solange ihr nicht ganz aufhört, bin ich happy. :D Ihr seid meine erste Anlaufstelle für Island und allein schon deshalb werde ich euren Weg weiterhin verfolgen.
Ich freu mich schon auf alles, was kommt (und zuerst mal auf das erste Shop-Produkt <3).
Egal, welchen Weg ihr noch einschlagen werdet – ihr rockt das!
Alles Liebe,
Chrissi

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