Die Macht der Entschleunigung.

Manchmal ist der entspanntere Weg der effektivere.
Location: Reykjavik, Island

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr unser Stresslevel zwischen 'Hannover' und 'Reykjavik' schwankt. Es ist jetzt nicht so, dass der Aufruhr in unserer deutschen Heimatstadt als negativ zu verstehen wäre, aber auch positiver Stress ist eben ... Stress. Die Hetze der Stadt zieht uns jedes Mal in ihren Bann, wir wollen hier und da sein, alle Lieben sehen, ausgiebig quatschen und gemütlich Kaffee trinken. Auf der anderen Seite lauert aber die Arbeit und all die administrativen Dinge. Denn auch wenn wir in Island leben, so ist unser beruflicher Knotenpunkt in Deutschland. Meetings, Events, Arztbesuche, Steuerberater und Behörden zusätzlich zu unserer regulären Arbeit und all dem Beisammensein in einen zweiwöchigen Aufenthalt zu quetschen ist ein Balanceakt, der nicht immer so gelingt, wie wir es uns wünschen. Dann war Caro diesmal noch krank und so kommt immer wieder eines zum anderen und wir können die Zeit nicht wie angedacht genießen, sondern sie nur durchhetzen. Es ist nicht nur das. Klar, das Komprimieren vieler Aufgaben fordert einen schon heraus, aber diese innere Unruhe, die hatten wir in Deutschland immer. Sie geht ganz offensichtlich mit der Großstadt einher, mit dem modernen Konsumgedanken in Europa (schneller, mehr, teurer), den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Staus, der Huperei, dem Geschimpfe und Gezeter, welches einen so manches Mal umgibt.

Das ist gar nicht so negativ gemeint, wie es klingt - es ist einfach ein Lebenszustand, den wir immer gewohnt waren, der völlig normal war und nie hinterfragt wurde der aber auch einfach nicht zu uns passte. Die Abgespanntheit, das Gehetzte, die kleinen Unsicherheiten des Alltags. Dinge wie Augenzucken, Satzfetzen wie 'ich muss noch' - all dies fällt von uns ab, in der Minute, in der wir unser isländisches Apartment betreten. Dann laufen die Uhren langsamer, der Tag ist länger, wir schaffen weitaus mehr, weil wir uns ganz anders fühlen. Gelassener, ausgeglichener, weniger unter Druck. Der enge Posting Plan wird links liegen gelassen, wenn das Wetter einen schönen Tag schenkt. Wir zwingen uns nichts mehr auf, was wir nicht wirklich wollen und eigentlich auch nur machen, weil wir eben denken, dass wir es müssen. Wir machen das, was sich richtig anfühlt. Und was sich jetzt faul anhört, ist im Endeffekt wesentlich effektiver und produktiver. Als wir damals aus der Metropole Köln ins deutlich kleinere Hannover zogen, hatten wir das erste Mal so eine Erkenntnis, so eine Art produktives Hoch. Brachten weniger im Tag unter und gleichzeitig mehr. Hier in Island hat sich das Ganze dann ein weiteres Mal potenziert.

Auch diesmal haben wir den Unterschied wieder deutlich gespürt. Die Entschleunigung, die Wandlung des 'wir müssen noch' in ein 'wollen wir eben?'. Eigentlich hatten wir für heute ein Outfit geplant. Aber wir waren so sehr mit der kleinen Pommes (wer es nicht weiß, das ist unsere Katze) und einigen anderen Dingen beschäftigt, dass wir einfach nie irgendwas Spannendes getragen haben, was sich zu fotografieren gelohnt hätte. Also wollten wir eigentlich extra losfahren, um einen Look zu knipsen, aber es fühlte sich falsch an. Ein weiteres Ding ist nämlich, dass wir hier immer mehr und mehr Abstand zum Inszenierten nehmen, den Mode-Zirkus (dessen wir nie wirklich ein Teil waren) mehr und mehr hinter uns lassen. Ihr sollt unser Leben kennenlernen, in all seinen Facetten. Unsere Träume, in all ihren Nuancen. Wir wollen euch mitnehmen, euch zeigen, was wir anstreben und wie wir uns all unsere Spinnereien verwirklichen. Wir wollen dabei ehrlich mit euch sein. Die Freiheit, die wir genießen, die lässt sich nicht auf erzwungenen Outfit-Bildern transportieren. Das ist gut so. Und so haben wir direkt Abstand vom Content-Plan genommen und uns einfach an Posts gesetzt, die uns wichtig sind. Themen, die wir besprechen wollen, Ideen, die wir teilen mögen, Outfits, die wir beim Wandern tragen, beim Entdecken, beim, naja, LEBEN. Entschleunigung ist schön, ein langsames, bewusstes Dasein ausgefüllter als ein schnelles, durchterminiertes. Zumindest für uns. Unsdso entschieden wir uns gestern, heute einfach diese Gedanken aufzuschreiben und sie euch mit auf den Weg zu geben. Nicht als Mahnung, nicht als Aufruf, sondern vielleicht als kleinen Anstupser. Das man nicht immer Ja sagen muss, nicht alles mitnehmen, nicht immer parat stehen. Das man mehr schafft, wenn man sich eine machbare Menge vornimmt und keine, die Superkräfte bedarf.

Wir halten es jetzt wie unsere Katze. Gemächlich, mit Genuss. Wir sagen es euch frei heraus: in Zukunft wird es eher keinen Post, als einen 'schnellen' geben. Mehr Outdoor, mehr Leben, mehr Trips, mehr Alltags-Klamotte. Wir sind ein für alle Mal durch mit der kurzlebigen (deutschen) (Mode) Welt und angekommen im Auenland. Wo man ein gutes Essen schätzt, einen Wein in Ruhe genießt und abends den Himmel beobachtet. <3

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8 Comments

The Power of Slow. - cllct.net 1 year ago

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Lisi Ledbetter 1 year ago

diese hektik muss wirklich ein mittel-europäisches phänomen sein. auch ich bin oft angespannt, will alles sofort und "ja nie zu spät kommen". ich denke mir jetzt oft einfach - was sind schon 10 minuten, 1 tag, 1 woche? schöne botschaft, ihr beiden.

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Julia 1 year ago

Ich finde das toll, dass ihr euch das so vorgenommen habt! Mode-Posts sind zwar manchmal ganz nett, aber ich persönlich finde auch eure Posts über euren Alltag einfach immer super, über eure Ausflüge, euer Leben in Island.
In dem Zusammenhang habe ich aufgrund der politischen Situation in Deutschland, die mich gerade einfach nur noch ankotzt des Öfteren gedacht: "Ich wander einfach irgendwann nach Island aus!". Daher würde es mich interessieren, ist es in Island wirklich so geruhsam, tolerant und schön? Ihr hattet ja schon mal einen Post geschrieben über die negativen Seiten daran, auf Island zu leben, aber mich würde auch interessieren, wie es da von der Stimmung so aussieht, wie sind die Isländer so drauf und wie ist die Situation da gerade? :)

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Jasmine Held 1 year ago

Wunderbar! Ich freu mich auf die kommenden Posts. Ich glaube auch, dass Entschleunigung der Luxus der heutigen Zeit ist. So ist es zumindest bei mir. Ruhe, Zeit, Freizeit, Zeit mit den Liebsten verbringen, Natur, Tiere, Freiheit, Stille, Musik, gutes Essen... Das ist Luxus der der Seele gut tut und wirklich glücklich macht. Kein Geld der Welt kann das Herz so füllen &lt;3 Keine Macht, keine Position, keine materiellen Dinge erfüllen mich so sehr, wie ein Abend mit den Liebsten, die Natur und Tiere oder auch einfach Island in all seiner Pracht. &lt;3 Liebste Grüße, Jasmine

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Tine 1 year ago

Sehr schöner Text! Ich wünschte dieses Lebensgefühl würde auch in die Großstädte einherziehen!
Ich freue mich über eure nächsten, entschleunigten Posts! ;)
Tine

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Amely Rose 1 year ago

mal wieder traumhaft
fotos sowie text,
und (auch wenn das nicht 100% mit eurem post zu tun hat - obwohl ich finde doch)
muss ich sagen, dass ich nur wegen eurem blog, die wundervollen fotos und eben eurer entschleunigten einstellung nach island fliege.
jahre lang liebäugel ich mit diesem "Reiseziel" und mir nun endlich ein herz gefasst :D

alles Liebe deine <a href="http://amelyrose.com/" rel="nofollow">AMELY ROSE</a>

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nossy 12 months ago

Wirklich super geschrieben! Diese Erkenntis zu erlangen bedeutet Glück, denn nur so kann sich wahre Zufriedenheit ins Leben schleichen die das Leben vollkommen macht.
Jeder hat sein Leben in der eigenen Hand, doch nur wenige erfahren dieses wahre Lebensgefühl. Ich freue mich wirklich sehr für euch!
LG, nossy

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Chrissi 12 months ago

Eine ganz tolle Einstellung habt ihr da!
Und ich finde, man merkt es euren Beiträgen wirklich an, dass Island euch "runterbringt"; ihr wirkt glücklicher und einfach "angekommen" seid. Also weiter so! :D

Und: Pommes ist ein absolutes Zuckerstück! &lt;3

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